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Wednesday, 13.12.2017

FeG-Geschichte im Überblick

Die Freien evangelischen Gemeinden haben ihre theologischen Wurzeln in der Reformation, der reformatorischen Gemeindebewegung (TĂ€ufer), den frĂŒhen englischen Freikirchen, dem Pietismus und den europĂ€ischen Erweckungsbewegungen. Geschichtlich gesehen sind sie im 19. Jahrhundert aus Erweckungsbewegungen hervorgegangen, die zu persönlichem Glauben, missionarischem Leben und diakonischem Handeln anregte. Das fĂŒhrte zur Bildung von Hauskreisen und Gemeinschaften, die zusammenkamen, um besser die Bibel kennenzulernen und ihren Glauben zu vertiefen. Manche dieser Gruppen stießen beim Studium der Heiligen Schrift auf die Fragen nach der Grundlage der verfassten Kirche. Sie erhoben die Forderung, dass die Kirche vom Staat unabhĂ€ngig sein mĂŒsse, dass zu ihr nur Glaubende gehören sollten und dass die Teilnahme an Taufe und Abendmahl den Glauben an Jesus Christus voraussetze. So kam es im Zusammenhang mit der Erweckungsbewegung (RĂ©veil) in der Schweiz, in Frankreich und Norditalien, die wesentlich durch den schottischen Kongregationalisten Robert Haldane (1764-1842) ausgelöst worden beeinflusst war, zur Bildung Freier evangelischer Gemeinden in der Schweiz: 1817 bzw. 1849 in Genf, 1829 in Bern. Vom RĂ©veil beeinflusst, grĂŒndete im Jahr 1832 in Lyon der reformierte Pfarrer Adolphe Mo-nod (1802-1856) die freie ȃglise Ă©vangĂ©lique de Lyon«, nachdem er von seiner Kirche wegen der Frage "Wer darf am Abendmahl teilnehmen?" seines Amtes enthoben worden war.

Die Bildung von Freien evangelischen Gemeinden in Deutschland steht in diesem geschichtlichen Zusammenhang. Der deutsche Kaufmann Hermann Heinrich Grafe (1818-1869) lernte 1841/42 wĂ€hrend eines beruflichen Aufenthaltes in Lyon die dissidenten (freikirchlichen) Églises Ă©vangĂ©li-ques kennen. Von diesen Gemeinden wurde er in seinen Gedanken ĂŒber die freie Gnade Gottes, ĂŒber das Abendmahl als Mahlgemeinschaft der Glaubenden sowie von der Realisierung des neu-testamentlichen Gemeindemodells ĂŒberzeugt. Nach seiner RĂŒckkehr nach Deutschland versuchte er, durch Mitarbeit in der Reformierten Gemeinde in (Wuppertal-)Elberfeld seine Erkenntnisse wirksam werden zu lassen. Er scheiterte an der volkskirchlichen Verfassung der Gemeinde und grĂŒndete darum nach jahrelanger innerer Gewissensauseinandersetzung um die Frage nach der Trennung von Nichtglaubenden und der Einheit von Glaubenden am 22. November 1854 die erste Freie evangelische Gemeinde in Deutschland in Elberfeld-Barmen. Verfassung und Ordnungen der neuen Gemeinde stimmten weitgehend mit dem ĂŒberein, was er in der Eglise Ă©vangĂ©lique libre in Genf gefunden hatte. Die GrĂŒnde, die zur Bildung der Gemeinde fĂŒhrten, lagen nicht in zeitbedingten MĂ€ngeln der Volkskirche, sondern in der Überzeugung, auch in der Frage nach der Gemeinde, wie sie von Gott gewollt ist, unbedingt dem Wort Gottes gehorsam sein zu mĂŒssen. Der Austritt aus der Landeskirche und die GrĂŒndung der Gemeinde waren deshalb fĂŒr sie ein "Akt des Gewissens", wie sie es in ihrem Austrittsschreiben formulierten. Sehr bald ergaben sich Kontakte zu weiteren Gemeinden und Abendmahlsgemeinschaften, die sich 1874 zu einer Vereinigung zusammenschlossen, dem heutigen Bund Freier evangelischer Gemeinden.

Im Zusammenhang mit der skandinavischen Erweckungsbewegung kam es seit der Mitte des 19. Jh. zur Bildung von selbstĂ€ndigen "Missions-Bund-Gemeinden" in DĂ€nemark, Finnland, Norwegen und Schweden. Sie entsprachen in ihrer Struktur den schon bestehenden Freien evangelischen Gemeinden. Auswanderer aus Skandinavien grĂŒndeten Ă€hnliche Gemeinden in Kanada und den USA. Eine internationale Zusammenarbeit der Freien evangelischen Gemeinden gab es bereits im 19. Jahrhundert. Die Bildung des heute bestehenden "Internationalen Bundes Freier evangelischer Gemeinden" beginnt mit den internationalen Konferenzen in Göteborg (1934), Prag (1936) und Malmö (1946). Die offizielle GrĂŒndungskonferenz fand 1948 in Bern statt.